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Die Gotterkenntnis Mathilde Ludendorffs

 

Grundgedanken zum Sinn des Lebens

Eine Einführung in die Philosophie Mathilde Ludendorffs

Wozu wir leben und warum wir sterben müssen, welchen Sinn die menschliche Unvollkommenheit hat und was ein Mensch tun muß, kann oder darf, welche Bedeutung Völker und Kulturen für den einzelnen und die gesamte Schöpfung haben, ob es etwas Göttliches gibt, was darunter zu verstehen ist und in wieweit dabei die Naturwissenschaften eine Rolle spielen ... die Antworten der Philosophin Mathilde Ludendorff auf all diese Fragen wurden hier in Kurzform zusammengefaßt und erlauben einen ersten Einblick in diese Gedankenwelt.

(Als Broschüre erschienen im Verlag Hohe Warte)

 

Vorwort

Vernunft und Intuition

Was ist denn das „Wesen der Erscheinung"?

Was ist Gott?

Was ist nun der Sinn des Menschenlebens?

Warum müssen wir sterben?

Sinn der menschlichen Unvollkommenheit

Die Bedeutung von Völkern

Der Unterschied zwischen Kultur und Zivilisation

Wo liegt die Grenze zwischen Pflicht und Freiwilligkeit?

 

 

Vorwort                                                                                                (Zum Seitenanfang)

Liebe Leserin, lieber Leser!

Es gibt verschiedene Einführungen in die Philosophie Mathilde Ludendorffs. Jede hat ihren eigenen Stil und wird wieder andere dafür Aufgeschlossene ansprechen.

Hier wurde versucht, die Grundgedanken der Philosophin so einfach und anschaulich wie möglich zusammenzufassen.

Die vorliegende Zusammenstellung soll aber bitte nicht als Gotterkenntnis-„light" verstanden werden. Sie kann niemals das Lesen der Originalwerke ersetzen, kann nie der umfassenden, oft auch dichterischen Wortgestaltung und der Tiefe der Ausdrucksweise der Philosophin gerecht werden. Dafür bleiben diese Zeilen viel zu sehr an der Oberfläche.

Dieses Heftchen ist vor allem für diejenigen gedacht, die nicht viel Zeit für Bücher haben und dennoch einen ersten kurzen Einblick in die Anschauungen Mathilde Ludendorffs erhalten wollen.

Möge es Sie danach zum ersten und grundlegenden Werk Mathilde Ludendorffs „Triumph des Unsterblichkeitwillens" greifen lassen, um so manche Lücke zu schließen und so manches undeutlich Gebliebene zu klären.

Viel Freude bei Lesen wünscht Ihnen

Ihr Verlag Hohe Warte

 

Grundgedanken der Philosophie Mathilde Ludendorffs

Ich möchte Sie mitnehmen zu einer Wanderung durch die Philosophie Mathilde Ludendorffs, die sie selbst als „Gotterkenntnis" bezeichnet.

Ihre Philosophie befaßt sich nicht mit irgendwelchen abstrakten Gedankenspielereien, sondern steht auf dem Boden der Wirklichkeit und beantwortet die wichtigsten Fragen im Leben eines Menschen, und zwar

  • nach dem Sinn des Lebens,

  • nach der Bedeutung des Sterben-Müssens

  • nach dem Sinn der menschlichen Unvollkommenheit

  • nach der Grenze zwischen Pflicht und Freiwilligkeit und

  • nach der Bedeutung der Völker und noch vieles mehr.

Die Gotterkenntnis stützt sich auf die Entwicklungsgeschichte ebenso wie auf einzelne als richtig erkannte Einsichten der Philosophen Plato, Kant und Schopenhauer. Zudem steht sie im Einklang mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen unserer Zeit.

Für unsere Wanderung brauchen wir einige Wegweiser, ohne die wir uns verirren.

Diese bestehen in der Definition einiger Begriffe, auf denen die Philosophie aufbaut. Sie sind notwendige Voraussetzung für das Verständnis.

Dabei führt jede Begriffserklärung weiter hinein in die Gedankenwelt Mathilde Ludendorffs.

 

Vernunft und Intuition                                                                     (Zum Seitenanfang)

Nach Kant hat die Welt zwei Seiten. Auf dieser Erkenntnis baut Mathilde Ludendorff ihre Philosophie auf.

Die erste ist die äußere, sichtbare Seite, das Diesseits, die Erscheinung, alles Nachweisbare. Um sie zu erfassen, braucht der Mensch die Vernunft. Sie befähigt uns durch ihre Eigenschaften, alle Erscheinung in Raum und Zeit einzuordnen, sie nach Ursache und Wirkung zu überprüfen (Urteilskraft), uns eine Vorstellung von ihr zu machen (Vorstellungskraft), diese im Gedächtnis zu bewahren (Erinnerungskraft) und uns gedanklich irgend etwas auszumalen (Phantasie/Einbildungskraft).

Mit Hilfe der Vernunft (Forschung) gelangen wir zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die für die Vernunft notwendigen Fähigkeiten, die Denk- und Urteilskraft, die Vorstellungs- Einbildungs- und Erinnerungskraft, können ausgebildet, aber auch gelähmt werden. Vernunfterkenntnisse können erlernt und übermittelt, aber unter Umständen - wenn auch selten - intuitiv erfahren werden. Dann müssen sie jedoch im Nachhinein immer eine Bestätigung durch die Naturgesetze erhalten.

Jedoch bleiben wir hinsichtlich unserer Vernunfterkenntnis lebenslang irrfähig.

Ohne die Vernunft und ihre Erkenntnisse könnten wir heute nicht das Leben so führen, wie wir es tun. Sie hilft uns, durch Erkennen der Naturgesetze den Daseinskampf zu erleichtern. Denken wir dabei nur an die Verwendung des elektrischen Stroms, die Fortbewegungs- und Nachrichtenmittel.

Mit Hilfe der Vernunft kann sich der Mensch gegen Unwissenheit und Seelenmißbrauch wehren. Daher wird der Vernunftausbildung auch in der Erziehung hoher Wert beigemessen.

Doch ist Vernunfterkennen nicht auf alle Gebiete anwendbar. Darüber, was nicht Erscheinung ist, kann und darf sie sich keine Vorstellung machen. Hier liegen die von Kant erkannten Grenzen der Vernunft (Kritik der reinen Vernunft).

Damit kommen wir zur zweiten Seite der Welt.

Glaubte Kant noch, diese zweite, innere, nicht sichtbare Seite der Welt, die Nicht-Erscheinung, das „Ding an sich", wie er es nennt oder das Jenseits, wie es Mathilde Ludendorff bezeichnet, könne vom Menschen nicht erfaßt werden, so irrte er. Es ist das Verdienst der Philosophin, dafür die zweite Erkenntniskraft des Menschen entdeckt zu haben: das Ich der Menschenseele, das dieses Wesen der Erscheinung bewußt, aber intuitiv erlebt.

 

Was ist denn das „Wesen der Erscheinung"?

werden Sie vielleicht fragen. Hier bahnte Plato den Weg, der auf der Suche nach dem zeitlos Gültigen sittliche Ideale und Tugenden nannte. Seine Idee des Guten und seine Tugenden - Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit – erkannte die Philosophin als das „Wesen der Erscheinung", das sie aber - umfassender - als das Gute, das Schöne, das Wahre und eine davon geleitete Menschenliebe beschreibt. Diese „Ideale" können nur erlebt werden. Ihr Erleben kann spontan erfolgen, aber auch angeregt werden z.B. durch edle Taten, wie die Befreiung eines Volkes von Unterdrückung, durch wahre Worte, die auch durch Todesandrohung nicht zurückgenommen werden, durch Kunstwerke oder die Natur. Eine Beschreibung dieses Erlebens ist nicht möglich, denn es ist nicht mit der Vernunft und ihren Möglichkeiten faßbar. Genausowenig kann es erzwungen, eingeübt oder jemandem eingeredet werden.

Versuchen Sie einmal, einen anderen Menschen dazu zu bringen, etwas schön zu finden. Wenn ihm etwas nicht gefällt, hilft kein Überreden. Allenfalls kann er veranlaßt werden, zu heucheln oder durch suggestive Beeinflussungen dazu gebracht werden.

Überlegungen darüber, was einem denn das Schöne, Gute, Wahre und göttlich gerichtete Fühlen nützt, zu welchen Zweck es am besten einzusetzen wäre oder welche Folgen es nach sich ziehen könnte, zerstören den Wert dieser Ideale. Sie wollen um ihrer selbst willen gelebt und erlebt werden, und zwar spontan und freiwillig.

Das „Wesen der Erscheinung" kann zwar nicht definiert, aber durch Gleichnisse übermittelt werden, wie durch Musik, Dichtung, Malerei, Plastiken oder Bauwerke, die den – dafür offenen - Betrachter oder Zuhörer den jenseitigen oder auch transzendenten Gehalt dieses Werkes bzw. das, was dessen Schöpfer bewegte, nacherleben lassen.

Das bewußte Erleben des Ichs ist also nichts Mystisches; es befindet sich nur jenseits der Erkenntniskraft der Vernunft und entzieht sich damit den Vernunftkategorien: Zeit, Raum und Ursächlichkeit. Nachvollziehen können Sie das, wenn Sie versuchen, das Schöne zu definieren. Vielleicht gelangen Sie noch zu irgendwelchen Harmoniegesetzen, also Vernunftaussagen, jedoch beschreiben diese immer nur einen Teil des Sichtbaren und können niemals das Wesen des Schönen vollständig erfassen. Genauso ergeht es einem mit der Liebe, dem Guten, dem Edlen oder der Würde. Der Mensch erlebt sie intuitiv, aber nicht durch die Vernunft sondern allein durch das „gottahnende Ich der Menschenseele", wie es Mathilde Ludendorff ausdrückt

Lediglich die Wahrheit ist als Übereinstimmung des Vorgestellten oder Gebotenen mit dem Tatsächlichen der Vernunft noch so nahe, daß sie auf die Erscheinungswelt angewendet und in Worte gefaßt werden kann. Denn mit Hilfe der Denkkraft der Vernunft versuchen wir die Wahrheit zu ergründen.

Vernunft und Erscheinung gehören ebenso zusammen wie Intuition und das Wesen der Erscheinung. Die beiden Erkenntniskräfte dürfen nicht verwechselt und auf das falsche Gebiet angewendet werden.

 

 

Was ist Gott?                                                                                    (Zum Seitenanfang)

Sie lasen ja gerade den Ausdruck „gottahnendes Ich".

Mathilde Ludendorff verwendet den uralten (in Urzeiten als Inbegriff der Vollkommenheit verwendeten) Begriff „Gott" und versteht darunter etwas ganz anderes als die bekannten Weltreligionen. In ihrer Philosophie ist damit kein persönlicher Gott gemeint. Gott, das Göttliche, das Absolute oder das Jenseits, das Geniale oder das „Ding an sich" umfaßt das Wesen der Erscheinung, also das Schöne, das Gute, das Wahre und eine davon geleitete Menschenliebe. Auch der sogenannte Gottesstolz als Erleben göttlicher Würde und Erhabenheit sowie die Fähigkeit zur Elternliebe (bes. die Mutterliebe) sind im Ich angelegt und haben eine Verbindung zum Göttlichen. Sie bergen eine Reihe Eigenschaften, wie das Freiheitsstreben, Leistungsfreude, aber auch Verantwortungsbereitschaft und Fürsorglichkeit. Gott umfaßt alles das, wofür das intuitive Erkennen zuständig ist bzw. das Ich der Menschenseele.

Gott ist nicht zu beweisen und nicht zu definieren, sondern nur zu erleben. Erst wenn das Göttliche sich in einer Erscheinung ausdrückt, Werk, Wort oder Tat wird, kann die Vernunft diese erfassen.

Beispiel:

Alles Geniale/Göttliche, das ihn bewegte, seine Werke zu schaffen, ist nicht zu beschreiben, es entzieht sich der Vernunft. Doch hat sich sein Erleben einen Weg in die Welt der Erscheinung gebahnt, indem seine Musik von ihm durch die Notenschrift auf das Papier gebracht wurde. Seitdem kann sein Werk von Musikern wiedergegeben und damit über die Sinne anderen zugänglich werden. Natürlich entzieht sich auch das innerseelische Erleben des Wiedergebenden (ebenso wie des Zuhörers) der Vernunft, aber er kann feststellen, welchen Gesetzmäßigkeiten das Musikstück folgt. Auf diese Weise kann er das Werk mithilfe der Vernunft von außen erfassen.

Eigenes Erleben Gottes oder des Göttlichen ist unabhängig von jeder Belehrung und kann nicht geschult oder gar erzwungen werden. Es muß freiwillig erfolgen. Auch der Ungebildete kann Gott erleben.

 

Jede Persönlichkeit hat ihren eigenen besonderen, von ihrer Wesensart gestalteten Zugang zum Göttlichen und erlebt es je nach dem Grad ihrer Offenheit dafür. So vielseitig wie die Ausprägungen menschlicher Eigenarten sind, so mannigfaltig gestaltet sich letztendlich auch dieses Jenseitserlebens der Menschen. Schon deshalb ist Gotterleben nicht übertragbar.

Das Sehnen nach Idealen ist angeboren. Das zeigen uns die kleinen Kinder mit ihrer Freude an Blumen, den edlen Gestalten der Märchen und durch ihre anfängliche Unfähigkeit, zu lügen. Dieses Sehnen gibt es seit dem ersten Menschen. Schon früh wurden Gebrauchsgegenstände verziert, wurde versucht, die eigene Umgebung so schön wie möglich zu gestalten, wie die entdeckten Höhlenmalereien beweisen. Und welche Erklärungen gibt es dafür, daß es bereits vor 3000 Jahren Menschen gab, die ihre Toten auf Wiesenblumen bestatteten? Dies sind alles Verhaltensweisen, die nichts mit Nützlichkeit zu tun haben.

Jede unserer vier Bewußtseinsfähigkeiten wird von einem der göttlichen Wünsche überstrahlt: Das Wahrnehmen von Schönem, das Denken von Wahrem, das Handeln von Gutem und das Fühlen von göttlich gerichtetem Lieben und Hassen.

Das bewußte Erkennen eines Erlebens des Schönen, Guten, Wahren und der göttlich gerichteten Menschenliebe, also von absoluten Werten, die übrigens keine Zugeständnisse kennen, hat uns nun schon mitten hinein in die Gotterkenntnis von Mathilde Ludendorff geführt.

 

Was ist nun der Sinn des Menschenlebens?                           (Zum Seitenanfang)

Ausgehend von den physikalischen und chemischen Gesetzen muß der Sinn des Menschenlebens vor dem Tode erfüllt werden, da er an das Bewußtsein des Menschen gebunden ist. Ist dieses geschwunden, zersetzen sich die Zellen in die Bausteine, aus denen sie einst gebildet wurden, verwandelt sich organisches Material wieder in anorganisches. Somit ist auch kein seelisches Weiterleben mehr möglich.

Der Mensch ist unvollkommen; dieser Behauptung wird wahrscheinlich jeder zustimmen, der erlebt, wie sich mancher durch Alkohol, Drogen oder Arbeit zugrunde richtet. Auch Zank, Rachsucht, Bosheit, Neid, Gier und die vielen Kriege lassen den Menschen alles andere als vollkommen erscheinen, obwohl er - und das scheint zunächst als Widerspruch - als einziges Lebewesen auf Erden Bewußtsein besitzt und damit das höchstentwickelte ist.

Anscheinend läßt ihn in bestimmten Situationen die Vernunft im Stich. Bei der Suche nach dem Auslöser für solch selbstschädigendes oder widersinniges Handeln stieß Mathilde Ludendorff zunächst auf die intuitive Erkenntnis Schopenhauers, daß das Wesen des gesamten Weltalls Wille ist, den alle unbelebte Substanz ebenso zeigt wie jedes Lebewesen, der umso deutlicher zutage tritt, je höher das Lebewesen entwickelt ist. Dieser Wille äußert sich darin, daß er einen Stein seine Form, ein Lebewesen sein Leben erhalten lassen möchte. Beim Tier ist dieses Überleben-wollen durch Instinkte gesichert, also durch einen angeborenen Zwang gewährleistet. Es hat gar keine Wahl, anders zu handeln. Aber der Mensch hat eine Wahl, nämlich zum Guten wie zum Schlechten, zum Rettenden wie zum Schädigenden, zum Sinnvollen wie zum Blödsinnigen. Mit Hilfe der Vernunft kann er sich alle Folgen ausmalen, sie im Gedächtnis speichern und Rückschlüsse ziehen. Da er weiß, was auf ihn zukommt, versucht er so zu handeln, daß ihm das Erwartete nicht zu unangenehm wird. Sein Selbsterhaltungswille ist also an die Eigenschaft gebunden, Unangenehmes zu vermeiden und angenehme Lösungen zu suchen, auch wenn das auf Kosten der eigenen Gesundheit oder der eigenen Seele geschehen sollte. Der Mensch ist unvollkommen geworden.

Wenn Sie den „inneren Schweinehund" kennen, dann wissen Sie, was gemeint ist!

Als „Lustmaximierung" ist dieses Streben inzwischen auch von anderen Psychologen anerkannt. Mathilde Ludendorff spricht hier philosophisch vom gottverlassenen, unvollkommenen oder auch lustversklavten Selbsterhaltungswillen.

Dieser Eigenart des Selbsterhaltungswillens begegnen wir auf Schritt und Tritt.

Überlegen wir einmal, wann wir uns ärgern, Unmut empfinden oder schlechte Laune bekommen! Dann nämlich, wenn etwas nicht nach unseren Vorstellungen verlaufen ist, wir einen Tadel erhalten oder etwas verloren haben, also ein Unlusterleben hatten. Im Gegensatz dazu freuen wir uns, wenn etwas gelungen ist, oder es sich so abgespielt hat, wie wir es uns vorgestellt oder gewünscht haben. Auch Macht bereitet Lust und ist Auslöser für viele Taten. Macht erhält man nicht nur durch Reichtum, Einfluß und Wissen; auch Handlungen, die anderen Schaden zufügen, lösen angenehme Gefühle, Befriedigung oder Machtgefühle aus.

Dieser gottverlassene Selbsterhaltungswille ist nun der Gegenspieler des gottahnenden Ichs der Menschenseele.

 

Das soll am Beispiel der Wahrheit verdeutlicht werden:

Das gottahnende Ich eines Menschen möchte dem Ideal der Wahrheit folgen und die Wahrheit sagen. Der Selbsterhaltungswille mit seiner äußerst irdischen lustversklavten Eigenschaft weiß aber, daß eine Wahrheit unangenehme Folgen haben kann, die er vermeiden möchte. So zieht er ein Vermeiden der Wahrheit vor.

Die Kraft, die im Augenblick kurz vor der Tat am stärksten ausgeprägt ist, wird die Entscheidung herbeiführen.

Ihrem berechtigten Einwand, daß der Mensch danach ja gar keine Willensfreiheit hätte,

und somit an seinem Verhalten schuldlos sein müßte, begegnet die Philosophin mit dem Hinweis auf Ruhezeiten, in denen ein Mensch über sich nachdenken, sein Gewissen (s.u.) verfeinern und dieses Kräfteverhältnis so verändern kann, daß die Ausgangslage bei der nächsten Entscheidung eine andere ist. Natürlich spielen bei allen Entscheidungen auch noch angeborene und erworbene Charaktereigenschaften mit, aber auch diese sind auf die beschriebene Weise veränderbar.

Die Entwicklung dieser beiden Gegenspieler, d.h. die Abhängigkeit von Lustgier und Leidangst kann nun im Laufe eines Menschenlebens ganz unterschiedliche Wege nehmen:

Die Abhängigkeit kann ein Leben lang erhalten bleiben und nur gelegentlich in Stunden der Erhebung, in Zeiten des Einklangs mit den göttlichen Wünschen, zum Schweigen gebracht werden. Immer wieder fällt der Mensch in die Abhängigkeit von Lust und Leid zurück, wechselt von göttlichem zu widergöttlichem Tun. Er bleibt so, wie er geboren ist: er bleibt unvollkommen.

Werden die göttlichen Wünsche für ihn nur noch zur leeren Redensart, entscheidet er ausschließlich danach, was ihm nützt oder mit irgendeinem Zweck verbunden ist, hat er seine Seele „eingesargt", wurde er zu dem von Mathilde Ludendorff so genannten „plappernden Toten".

Dieser unvollkommene Selbsterhaltungswille kann jedoch auch gezähmt werden, durch Arbeit an sich selbst. Der starke Wunsch, sich zu ändern, das Erkennen eigener Schwächen – Selbsterkenntnis, die sich nichts vormacht - ist Voraussetzung. Selbstbeherrschung gehört ebenso dazu wie eine ehrliche Gewissensprüfung (s. u.). Dann entscheidet immer öfter nicht mehr der gottverlassene Selbsterhaltungswille, der ja immer Zweck und Nutzen einbezieht, die Tat, sondern sie wird immer häufiger geleitet von den göttlichen Wünschen.

Nicht Askese oder Weltflucht führen dahin, auch nicht das Abtöten von Freude und Leid. Im Gegenteil: durch die Verinnerlichung der göttlichen Werte wird das Erleben von Freude und Leid tiefer, aber auch der Blick für das Edle geschärft. Mit dem Überwinden von Lustgier und Leidangst des Selbsterhaltungswillens und einem Verinnerlichen der göttlichen Wünsche ist ein Mensch „vollkommen" geworden. Dabei zieht er sich nicht zurück sondern bleibt mitten im Leben.

Damit haben schon einen großen Teil unserer Wanderung bewältigt:

Ein Leben, bewußt geführt im Einklang mit den göttlichen Wünschen, und zwar ausnahmslos und unbedingt, erhaben über und unnahbar für alles Schlechte, Häßliche und Unwahre, das ist der Sinn des Seins.

 

Diese Arbeit an sich selbst, diese Selbstveredlung, wird von Mathilde Ludendorff „Selbstschöpfung" genannt. Jeder Mensch hat aus sich heraus die Kraft und die Fähigkeit, seine Seele vollkommen werden zu lassen. Doch ob er das tut, das ist seine freie und ureigenste Entscheidung und das muß sie immer bleiben. Denn es ist keiner da, der ihn prüft, bewertet, belohnt oder bestraft. Er ist hierbei nur sich selbst verantwortlich. Seine persönlichen Begabungen bzw. Begabungsgrenzen bleiben von der Selbstschöpfung jedoch unberührt. Deshalb spricht Mathilde Ludendorff gelegentlich auch von „bedingter Vollkommenheit", die ein Mensch erreichen kann.

Zu Gotterleben ist jeder Mensch fähig, unabhängig von seinem Erbgut, seinem Schicksal und seiner Bildung. Dabei ist das Göttliche erhaben über die Anzahl der Menschen, die es erleben. Schon das Streben der Menschen nach Werten und Idealen adelt sie. Nicht nur die seltenen Vollkommenen, auch die vielen unvollkommen Gebliebenen erfüllen in Stunden der Erhebung ihr Sehnen nach dem Göttlichen. Und vor allem tragen sie dazu bei, daß ein Volk nicht ausstirbt.

Doch sind noch Fragen offen geblieben:

 

Warum müssen wir sterben?                                              (Zum Seitenanfang)

Die Sehnsucht nach Unsterblichkeit spielt in nahezu allen Religionen eine Rolle. Um dies zu erklären ist auch hier wieder ein Blick in die Entwicklungsgeschichte hilfreich. So gab es zu Beginn der Evolution ein Lebewesen, das keinen Alterstod kannte, das nicht sterben mußte, wenn es nicht verhungerte, erkrankte oder verunglückte. Es konnte theoretisch ewig leben; es besaß sozusagen die Kraft zur Unsterblichkeit. Das war unser Ururururur … vorfahr, der potentiell unsterbliche Einzeller (Protozoon), dessen Erbgut wir noch in uns tragen, der – so könnte man sagen - für diese Sehnsucht, für dieses Erberinnern verantwortlich ist.

Natürlich hat sich Mathilde Ludendorff gefragt, warum es überhaupt zu einer Weiterentwicklung gekommen war. Denn der Einzeller hatte eigentlich alles, was er brauchte, war bestens für das Überleben ausgestattet. Er war, wie die Philosophin es ausgedrückt, „wunschgesättigt". Darwin hatte dafür keine Erklärung.

Warum kam es also zur Weiterentwicklung?

Die Erklärung lautet: Das Ziel der Schöpfung war noch nicht erreicht. Mathilde Ludendorffs intuitive Erkenntnis war, daß ein Lebewesen, das Bewußtsein besitzt und bewußt Gott erleben kann, das Schöpfungsziel ist. Davon war der Einzeller noch weit entfernt. Seinen Abwandlungsmöglichkeiten und seiner Größe waren Grenzen gesetzt. Es mußte also etwas anderes, Neues geschehen. Erst die Teilung in Körper- und Keimzellen, also der Mehrzeller, brachte Weiterentwicklung. Gleichzeitig mit dem ersten Mehrzeller trat dessen zeitliche Begrenzung, der Tod, auf, der seitdem alles Leben begleitet. Das Streben, ihm zu entkommen, hat die Entwicklung neuer, höherer Arten explosionsartig angetrieben. Das Sterben-müssen scheint also der Preis für dieses Ziel gewesen zu sein.

Aber welche Bedeutung hat nun der Tod für den Menschen?

Der Mensch als Schlußpunkt dieser Entwicklung ist aufgrund seines Bewußtseins das einzige Lebewesen der Schöpfung, das sein Schicksal kennt, das weiß, daß es irgendwann einmal sterben muß.

Dieses Wissen um die Begrenztheit seines Daseins setzt dem Menschen zeitliche Grenzen, treibt ihn – wenn er nicht nur materiell denkt - zu seelischer Entwicklung, und ermöglicht so erst die Erfüllung des Lebenssinns. Endloses Dasein zwingt dagegen nicht zu Entwicklung.

 

Stellen wir uns einmal den umgekehrten Fall vor! Der Mensch würde genauso wie der erste Einzeller niemals altern. Wäre endloses Daseinsmuß als bewußtes Einzelwesen, also ewiges Leben, nicht eher Folter als Geschenk? Käme es dann nicht zu Lebensmüdigkeit und Überdruß? Und würde es dann auf Erden nicht recht eng werden? Damit wäre der Anzahl der Menschen Grenzen gesetzt. Neue Persönlichkeiten würden irgendwann einmal nicht mehr oder allenfalls äußerst begrenzt entstehen. Nur durch Mord und Totschlag oder Seuchen könnte Platz geschaffen werden. Der Wille zur Mannigfaltigkeit, der dem Göttlichen eigen ist, könnte nicht erfüllt werden. Der Verschiedenartigkeit von Ausdrucksformen göttlichen Erlebens wären Grenzen gesetzt. Die ewige Erhaltung einer Einzelpersönlichkeit würde zu viel Enge für das Göttliche bedeuten. Durch das Todesmuß wird es davor bewahrt. Somit hat das Todesmuß, so traurig es auch immer für die Zurückgebliebenen ist, göttlichen Sinn.

Unbeantwortet blieb bisher noch die Frage nach dem

 

Sinn der menschlichen Unvollkommenheit.                         (Zum Seitenanfang)

Die Feststellung „der Mensch ist unvollkommen" hatten wir schon einmal getroffen.

Doch hätte nicht der Mensch gleich vollkommen geschaffen werden können? Dann wäre doch der Welt viel Leid und Elend erspart geblieben!
Um den Sinn zu erklären, müssen wir uns erneut mit der Entwicklungsgeschichte befassen und einen Blick auf das unterbewußte Tier werfen.

Dieses ist nämlich noch vollkommen.

Vielleicht wundern Sie sich? Das weit unter dem Menschen stehende Tier soll vollkommen sein? Das ist so, denn es kennt keine Sucht, kein „demographisches Problem" und keine Bosheit. Alles, was es tut, um seine Herde zu verteidigen, sich fortzupflanzen, sein Futter zu suchen, seine Brut zu schützen, sein Territorium zu sichern, dient vollkommen seiner Selbst- und Arterhaltung. Dazu ist es durch seine Instinkte bestens ausgerüstet. Giftpflanzen werden instinktiv gemieden. Der Feind wird nur solange bekämpft, wie er in Reichweite ist. Mit dem Verschwinden aus dem Blickfeld ist er auch schon wieder vergessen. Kommt es zu abartigem Verhalten, hat meistens der Mensch eingegriffen (Blutrausch des Marders im Hühnerstall). Je höher ein Tier entwickelt ist, desto weniger ist genetisch festgelegt, desto mehr muß ein Jungtier lernen, desto anpassungsfähiger und vielfältiger wird sein Verhalten, während die einfacheren Tierarten oft nur eine einzige Handlungsmöglichkeit kennen.

Ein Tier kann also nicht anders handeln, als es ihm sein Erbgut vorgibt. Sein an Instinkte gebundenes Handeln ist nicht frei, aber vollkommen an sein natürliches Lebensumfeld angepaßt.

Nun ist der Mensch entstanden. Der Mensch besitzt als einziges Lebewesen (Ich)-Bewußtsein. Das heißt, er kann wahrnehmen, denken, fühlen, empfinden und handeln. Er kann sich gesondert von der Umwelt sehen, sich Gedanken über sein Dasein machen, abstrakt denken und sich alles mögliche merken. Der Mensch ist das einziges Lebewesen des Weltalls, das fähig ist, göttliche Wesenszüge in sich zu erleben (das Gute, Wahre …). Er kann sein ganzes Leben danach gestalten, und sein Erleben auf seine Mit- und Nachwelt ausstrahlen lassen, wie es durch die Werke großer Künstler geschieht. Der Mensch ist aber auch das einzige Lebewesen im Weltall, das sich körperlich und seelisch ruinieren kann, das in der Lage ist, sich und seinen Mitmenschen das Leben schwer zu machen oder sogar zu zerstören. Seine Selbst- und Arterhaltung ist nicht mehr durch Instinkte gesichert.

Warum nur?

Zugunsten der Möglichkeit, Göttliches zu erleben, ist diese Bindung an Zwangshandlungen zerschnitten, wurde dem Menschen Entscheidungsfreiheit ermöglicht, ist sein Handeln „frei" geworden. Denn: die göttlichen Wünsche erhalten erst dann ihren Wert, wenn sie durch eigenen Entscheid, spontan und freiwillig erfüllt werden. Somit muß der Mensch die Wahl haben, zu einem anständigen, zu einem teuflischen Menschen oder zu einer der Zwischenformen zu werden. Zugunsten dieser Freiheit ist der Selbsterhaltungswille des Menschen unvollkommen geworden, wodurch er – siehe oben - mithilfe der Vernunft und ihrer Fähigkeiten erkennen, sich merken und erstreben kann, was Lust bereitet und Leid vermeidet.

Die Unvollkommenheit ist der Preis für die Freiheit zu göttlichem Erleben.

 

Stellen wir uns den umgekehrten Fall vor:

Wären wir schon von Geburt an vollkommen, hätten wir nie die Freiheit gehabt, uns selbst zu entscheiden, selbst die Wahl zu treffen, dann wäre unser Verhalten zwangsbestimmt gewesen. Zwang ist jedoch unvereinbar mit dem Göttlichen. Ein Wesenszug des Göttlichen ist Freiheit!

Somit hat diese Unvollkommenheit göttlichen Sinn. Deshalb werden Menschen auch weiter unvollkommen geboren werden, solange es sie gibt.

Doch ist der Mensch nicht hilflos dieser Unvollkommenheit ausgesetzt. Durch Erfahrung kann er die verloren gegangene tierische Instinktbindung zur Selbst- und Volkserhaltung ersetzen. Dazu sind ihm die Fähigkeiten zum Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Wollen mitgegeben worden. Damit kann er Wissen erwerben und für dessen Verwendung die Vernunft einsetzen, wobei dies so sinnvoll wie möglich geschehen sollte um ein vollwertiger Ersatz für die verlorengegangenen Instinkte zu werden. Es ist aber auch nur die Erfahrung wertvoll, die wahrheitsgetreu übermittelt wird. Ihre Verwendung unterliegt jedoch ebenfalls der menschlichen Lustgier und Leidangst.

In diesem Zusammenhang befaßte sich Mathilde Ludendorff besonders mit dem Gewissen, das in vielen Religionen als zuverlässiger innerer Maßstab für Entscheidungen gilt. Aber genau davor warnt sie und weist darauf hin, wie oft in unserer Geschichte mit gutem Gewissen übelste Taten vollbracht wurden. (Bsp.: Inquisition und Hexenverbrennungen, die mit grausamsten Folterungen verbunden waren). Auch die Täter von damals hatten bei ihrer Arbeit ein gutes Gewissen.

Bei der Frage nach der Ursache dafür stoßen wir wieder auf die menschliche Vernunft, die allerdings dem lustsuchenden und leidmeidenden Wirken des unvollkommenen Selbsterhaltungswillens ausgesetzt ist. Sie hat Zugriff auf das Gewissen und neigt dazu, sich vor oder nach einer Tat Beweggründe zurechtzulegen oder auch von außen aufzugreifen, die vor Unlusterleben schützen und ein gutes Gewissen erhalten sollen. Die Vernunft betreibt also Selbsttäuschung, um den eigenen Seelenfrieden zu retten. Sich einzureden oder einreden zu lassen, daß solche Gewalttaten zum Wohl und Heil des christlichen Glaubens geschehen würden, verhalf so manches schlechte Gewissen zum Schweigen zu bringen, wenn es sich denn überhaupt noch regte.

Daher ist einem guten Gewissen gegenüber immer ein gewisses Mißtrauen angebracht.

 

Die Bedeutung von Völkern                                                 (Zum Seitenanfang)

Völker sind nicht wie der einzelne Mensch dem Todesmuß unterworfen. Sie können - entgegen manch anderslautenden - unsterblich sein, wenn sie nicht durch Krankheit, Gewalt, Unfall oder durch Aussterben untergehen. Völker sind Schicksalsgemeinschaften, die außer durch ein äußeres Band, die Geschichte, noch durch ein inneres, seelisches Band, d.h. ein gemeinsames unterbewußtes Erbgut zusammengehalten werden. Mathilde Ludendorff nennt das die Volksseele. Manchmal ist in den Medien zu hören oder zu lesen, daß „die Volksseele kochte", womit ein gemeinsames Erleben, meist eine Empörung, beschrieben wird. Das weist aber schon darauf hin, daß die Menschen eines Volkes gemeinsame seelische Eigenarten zeigen, in denen sie sich von anderen Völkern unterscheiden.

Dieses unterbewußte Erbgut hat verschiedene Aufgaben und Auswirkungen:

  • Es berät alle Fähigkeiten des Bewußtseins, also das Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Handeln. Dann sprechen Menschen „von einer Ahnung die sie haben oder einem instinktiven Drang". In besonderen Situationen, z.B. bei einer allgemeinen Gemütserschütterung oder in Todesnot, erzwingt sich das unterbewußte Erbgut, die Volksseele, sogar den Zugang zum Bewußtsein und beeinflußt Handlungen. Und zwar in allen, die es besitzen und in denen es nicht verschüttet wurde. Das geschah zum Beispiel 1914 bei Ausbruch des ersten Weltkrieges; dies geschah nach dem Fall der Mauer 1989, als im Bundestag spontan das Deutschlandlied angestimmt wurde. Doch ist dies sehr selten.

  • Es ist verantwortlich für die unterschiedlichen Charaktereigenschaften der Völker: Die einen sind mehr verwurzelt im Vertrauten, seßhaft und bringen ihre Heimat zur Blüte, die anderen lockt die Tiefe des Raums und Entdeckerfreude zu Erforschungen in die weite Welt. Für die einen ist die Bewahrung der persönlichen Ehre das höchste Gut, der andere beugt sich lieber um zu überleben. Bei den einen gibt es eine ausgeprägte Privatsphäre, der andere braucht die unmittelbare Nähe seiner Mitmenschen. Die Vielfalt ist fast unendlich groß.

  • Es findet seine Ausdrucksform in der Kultur. Dabei unterschiedet die Philosophin zwei verschiedene Quellen, aus denen diese entstehen kann:

a) Hat sie ihr Entstehen dem Unterbewußtsein zu verdanken, wurde sie aus einer Gemütsbewegung oder -erschütterung geschaffen, dann ist das die Volkskultur: Alle Volkslieder, Trachten, Volkstänze, Volksdichtungen, viele Gebäude, Skulpturen oder
Malereien, Sitten und Bräuche gehören zur Volkskultur, die eine unverwechselbare Ausprägung besitzt. Sie bewirkt beim Miterlebenden, der das gleiche Seelenerbe besitzt, ebenfalls eine Gemütsbewegung. Das stärkt nicht nur das Angeborene, sondern verbindet auch ohne viele Worte. Überlegen Sie einmal, was Sie fühlen, wenn Sie ein altes deutsches Volkslied hören und einen arabischen Gesang! Das eigene Volksgut ist vertraut, wirkt heimisch, bewegt die Seele, das andersartige ist unvertraut, bleibt fremd, zugangslos oder wird manchmal sogar als unangenehm schrill empfunden. Umgekehrt geht es auch anderen Völkern, wenn Sie deutsches Volksgut erleben. Somit ist es für die Art des Gemütserlebens verantwortlich. Volkskultur wird im allgemeinen nur von Menschen mit gleichem gemeinsamem oder verwandtem unterbewußten Erbeigenschaften „verstanden".

b) Entstehen kulturelle Werke aus dem Erleben des Göttlichen, können sie, obwohl sie Züge der Persönlichkeit des Schaffenden und seines unterbewußten Erbgutes tragen, auch von Menschen aus anderen Kulturkreisen und mit anderer Mentalität nacherlebt werden. Dies erklärt, warum Mozarts Musik so gerne von anderen, vor allem asiatischen Völkern geliebt und gespielt wird.

  • Auch in der unmittelbaren Verehrung des Göttlichen finden Sie die unterschiedlichsten Ausdrucksmöglichkeiten des unterbewußten Erbes: griechische Tempel geben anderes Erleben wieder als die heiligen Haine der Germanen. Die gotischen Dome unterscheiden sich deutlich von den asiatischen Pagoden. Die arabische Kaaba oder die islamischen Moscheen sind Ausdruck wieder eines anderen Gotterlebens. Jedes Volk erlebt bestimmte Wesenszüge des Göttlichen besonders innig. Die einen mehr das Schöne, die anderen mehr das Gute. Die einen fühlen sich dem Göttlichen vertraut und ihm ebenbürtig, die anderen neigen sich demütig davor, lieben die Geborgenheit unter dem Höheren. Die einen erleben Gott in Verzückung, die anderen in Versenkung.

Arteigenes Gotterleben nennt Mathilde Ludendorff all das Erleben des Schönen, Guten und Wahren, das in der eigenen Kultur zum Ausdruck kommt und das seine Wurzeln im Unterbewußtsein jedes einzelnen hat und über alles persönliche Erbe hinweg verbindend wirkt.

 

Der Unterschied zwischen Kultur und Zivilisation                 (Zum Seitenanfang)

Vielleicht haken Sie hier ein und bitten um einer genauere Unterscheidung der Begriffe „Kultur" und „Zivilisation"? Die von der Philosophin Mathilde Ludendorff gegebene Abgrenzung ist klar, im allgemeinen Sprachgebrauch aber unüblich.

Kultur ist das schon beschriebene, zu Worten, Taten und Werken gewordene Gotterleben oder Gemütserleben eines Volkes. Kultur ist „unnütz", verfolgt keinen Zweck, wenn sie ehrlich ist. Mathilde Ludendorff bezeichnet sie übrigens dichterisch als „Gottlied". Die aus einem inneren Erleben heraus geschaffene Kultur unterscheidet die Philosophin deutlich von der Zivilisation, der alles von der Vernunft Erdachte zu verdanken ist, also alles das, was nützt oder einem Zweck dient, besonders das, was das Alltagsleben erleichtert. Natürlich gibt es Überschneidungen zwischen beiden, denn auch ein nützlicher Gegenstand kann schön sein.

Verschwindet eine Kultur, ein „Gottlied aus dem Chor der Völker", weil ein Volk ausstirbt, so wird die Welt um eine Ausdrucksform göttlichen Erlebens ärmer, wird die Mannigfaltigkeit bewußten Gotterlebens auf der Welt geringer und zwar unwiederbringlich. Mannigfaltigkeit ist jedoch – wie schon erwähnt - einer der Wesenszüge des Göttlichen. Das Verschwinden eines Volkes kommt somit einer Verarmung des Göttlichen gleich.

Daher hat jeder Mensch eine Doppelaufgabe in seinem Leben: Volkserhaltung und Gotterhaltung.

 

 

Wo liegt die Grenze zwischen Pflicht und Freiwilligkeit?          (Zum Seitenanfang)

Tatsächlich gibt es Lebensbereiche, in denen wir verpflichtet sind, in bestimmter Weise zu handeln und andere, die unsere ureigenste Angelegenheit bleiben müssen.

Eine genaue Abgrenzung finden wir wieder bei Mathilde Ludendorffs. Sie unterscheidet zwischen Sittengesetz und Moral. Selbst philosophische Wörterbücher zeigen nicht diese Genauigkeit.

Moralisch handelt ein Mensch, wenn dies im Einklang mit dem Wunsch zum Guten, Wahren, Schönen und einer davon geleitete Menschenliebe geschieht. Dies ist, weil es die seelische Entwicklung betrifft, seine ganz persönliche Angelegenheit (bei einer Lüge aber nur insoweit, als kein anderer geschädigt wird); dafür muß er absolute Freiheit haben, darf also – schon um der Echtheit willen - nie von außen zu einem bestimmten moralischen Verhalten gezwungen, dafür belohnt oder bestraft werden.

Unter Sittengesetz versteht die Philosophin alle Pflichten und Regelungen, die den Schutz des Dasein, des Eigentums, der Selbst-, Sippen- und Volkserhaltung sowie die Möglichkeit zur Erfüllung des Lebenssinns sichern. Den Rahmen dafür zu schaffen, ist Aufgabe des Staates. Das Sittengesetz muß Ersatz für die Selbst- und Arterhaltungsinstinkte der Tiere sein, da diese ja beim Menschen auf Kosten seiner Bewußtheit unvollkommen geworden sind. Diesem Sittengesetz sind aber Grenzen gesetzt, denn es darf nie in die seelische Entwicklung des Einzelnen eingreifen und keine Forderungen aufstellen, die unmoralisch sind. Somit ist das Sittengesetz der Moral untergeordnet.

Die Einhaltung des Sittengesetzes ist lediglich - wie es Mathilde Ludendorff ausdrückt - „moralischer Nullpunkt". Das heißt, seine Einhaltung darf nicht belohnt werden. Sie ist genauso selbstverständlich wie das Anhalten an einer Ampel bei rot. Ein Unterlassen ist jedoch Unrecht und muß bestraft werden.

Sittengesetz ist stets mit Pflicht verbunden – Moral immer mit Freiwilligkeit.

 

Anhand dieser ganzen Ausführungen können Sie sicher verstehen, daß Mathilde Ludendorff darum bittet, jeden wirklich Gläubigen zu achten, daß sie es ablehnt, ihm den eigenen Glauben zu zerstören. Damit wendet sie sich gegen jeglichen Bekehrungseifer.

Nur suchende Menschen können auf die „Gotterkenntnis" hingewiesen werden.

Eine Überzeugung Andersgläubiger kann dagegen immer nur durch das Vorbild geschehen. Das einzige, was die Philosophin einem Gläubigen übelnimmt, ist berechnende Heuchelei.

Mit diesen Gedankengängen sind wir am Ende unserer Wanderung angekommen.

Diese Grundgedanken sind der Beginn einer Reihe „philosophischer Wanderungen", die nach und nach erscheinen und die Sie auf ähnlich gestalteten Wegen durch die verschiedenen Themenbereiche der Philosophie Mathilde Ludendorffs führen werden.

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             Stand: 01.02.2015                                                                        webmaster@ludendorff.info