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Natürlicher Tod von Vielzellern und potentielle Unsterblichkeit von Einzellern

Triumph des UnsterblichkeitwillensWas ist der Sinn des Todes? Warum sind Einzeller unsterblich und warum müssen Vielzeller sterben? Solche Fragen wirft Mathilde Ludendorff in ihrem Werk „Triumph des Unsterblichkeitwillens auf. Aber entsprechen ihre Annahmen noch dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand?

„Triumph des Unsterblichkeitwillens" (1), so lautet der Titel des ersten und grundlegenden Werkes der Philosophin Mathilde Ludendorff. Der Unsterblichkeitwillen triumphiert. Worüber triumphiert er? Über den zwangsläufigen Tod, das Sterbenmüssen oder wie man auch sagen kann: über das Todesmuß. Von einem Triumph spricht man umgangssprachlich häufig dann, wenn eine Entwicklung in eine „ungewollte" Richtung verlief und dann plötzlich und unerwartet doch noch eine „gute" Wendung nahm. Im Falle des Triumphes des Unsterblichkeitwillens von Mathilde Ludendorf bedeutet das: Die ersten einzelligen Lebewesen waren potentiell unsterblich. Bei ihnen ist der Tod nicht zwangsläufig Sieger, sondern siegt nur im Falle eines Unfalles oder einer Schädigung anderer Art. Deshalb spricht man auch nur von einer potentiellen Unsterblichkeit. Die aus den Einzellern hervorgegangenen Vielzeller müssen jedoch nach einer für jede Art festgelegten Zeit zwangsläufig sterben. Wie kann man dann behaupten, der Unsterblichkeitwille triumphiert letztendlich beim Menschen? Er triumphiert auf vergeistigte Weise beim Menschen, dem einzigen Lebewesen, das vor seinem Tod das Göttliche bewußt erleben kann. Das Göttliche ist jenseits von Raum, Zeit und Ursächlichkeit. D.h. der Mensch kann bewußt eine Zeitlosigkeit, man könnte auch sagen „die Ewigkeit" erleben und damit seine Unsterblichkeitssehnsucht erfüllen. Es triumphiert sein Unsterblichkeitswille! Das ist in wenigen Worten eine der Kernaussagen aus dem ersten Werk Mathilde Ludendorffs.

August Weismann

Die Annahme einer potentiellen Unsterblichkeit der Einzeller geht auf August Weisman (1834 bis 1914) zurück. Weismann war einer der bedeutendsten Evolutionstheoretiker des 19. Jahrhunderts und gilt als Begründer des Neodarwinismus, der Weiterentwicklung der Darwinschen Evolutionstheorie. Eine Kernaussage August Weismanns, die auch im Triumph des Unsterblichkeitwillens zitiert wird, lautet (1, S. 122): „Mein Satz von der potentiellen Unsterblichkeit der Einzelligen will nichts weiter, als der Wissenschaft zum Bewußtsein bringen, daß zwischen Einzelligen und Vielzelligen die Einführung des physiologischen d.h. normalen Todes liegt, und diese Wahrheit wird durch keine Sophismen umgestoßen werden." Aus den letzten Worten läßt sich unschwer ableiten, daß der Satz von der Unsterblichkeit der Einzeller zur damaligen Zeit sehr umstritten war. Weismann zeigte auch, daß bei den Vielzellern die Körperzellen (die somatischen Zellen oder das Soma) dem zwangsläufigen Tod unterworfen sind, während die Keimzellen potentiell unsterblich bleiben und von Generation zu Generation die sogenannte Keimbahn bilden. Mathilde Ludendorff hörte während ihres Studiums in Freiburg die Vorlesungen Weismanns und teilte die Auffassung des Evolutionsbiologen, daß Einzeller potentiell unsterblich sind, allerdings lehnte sie die von ihm angeführten Gründe für das Todesmuß der Vielzeller ab (s.u.).

In mehreren Werken geht die Philosophin ausführlich auf die damaligen naturwissenschaftlichen Theorien zum Altern und Sterben der Lebewesen ein. Besonders ausführlich auch im ersten Band von „Wunder der Biologie im Lichte der Gotterkenntnis meiner Werke." (2) Diesem Werk ist auch folgender Abschnitt, entnommen, der weitere wichtige Aussagen Mathilde Ludendorffs zu unserem Thema enthält: „Im Todesmuß der höheren Lebewesen und seinem tiefen Widerspruch zum Selbsterhaltungwillen (…) lag eine starke Triebkraft zum Wandel der Vervollkommnung der Abwehr der Todesgefahr, die ihren tiefen Sinn erst nach erlangter Bewußtheit enthüllte. Ich zeigte, daß Bewußtheit den Menschen befähigt, vor dem Tode an dem Jenseits von Zeit und Raum, das er die „Ewigkeit" oder „Gott" nennt, im Erleben seiner eigenen Seele teil zu haben. Die „Schöpfungsgeschichte" aber ließ uns dann den Tod als ein für das Göttliche sinnvolles, wunderbares Können der Lebewesen erschauen. Denn erst, nachdem aus der Todmöglichkeit niederster Lebewesen durch Unfall das zuverlässige Todesmuß der höheren Lebewesen geworden war, ward ein bewußtes Erleben des Göttlichen in einem Einzelwesen des Weltalls möglich, weil vereinbar mit göttlicher Vollkommenheit." (2, S. 199 f). 

(…)

Nun wurde der Triumph 1922, die Schöpfungsgeschichte 1923 und Wunder der Biologie 1950 veröffentlicht. Angesichts des ungeheuren Wissenszuwachses gerade in den Biowissenschaften entspricht das einer „halben Ewigkeit". Deshalb stellt sich die Frage: Was hat Bestand, was hat sich möglicherweise als irrig erwiesen?

E. coli

Im Jahr 2005 veröffentlichte eine französische Forschergruppe Studienergebnisse zur Alterung von Bakterien (3). Diese haben auch in der populärwissenschaftlichen Presse für Aufsehen gesorgt. So hieß es z.B. in „Spektrum der Wissenschaft" (4): „Niemand ist unsterblich. Nur einzellige Mikroben galten bisher als Ausnahme, weil sie sich zur Vermehrung einfach teilen, sodass die Mutterzelle in den beiden Töchtern aufgeht und damit scheinbar unbegrenzt weiterlebt." Nach den vorgelegten neuen Erkenntnissen „ist ewiges Leben wirklich niemandem beschieden, auch Bakterien nicht." Die französischen Forscher zeigten, daß bei der Teilung des Bakteriums Escherichia coli (E. coli) diejenigen Tochterzellen, die überwiegend alte Zellbestandteile von der Mutterzelle übernehmen, weniger vital sind, sich seltener teilten und mit höherer Wahrscheinlichkeit starben, als diejenigen Tochterzellen, die überwiegend neue Strukturen ausbilden. Die Forscher kommen daher zu dem Schluß, daß keine Lebensform gegen das Altern gefeit ist. Es ist also tatsächlich an der Zeit, die genannten Aussagen Mathilde Ludendorffs auf den Prüfstand zu stellen.

 (…)

Pantoffeltierchen

Nach der Darstellung der aktuellen Forschungsergebnisse ist folgender Schluß zu ziehen: Es ist bisher keine Einzellerart bekannt, bei der ausnahmslos jede Zelle einem genetisch vorprogrammierten Alterstod unterliegen würde. Das mit der asymmetrischen Teilung verbundene Sterben mancher Tochterzellen ändert nichts an der Tatsache, daß die davon nicht betroffenen erbgleichen Tochterzellen und deren Nachkommen potentiell unsterblich sind.

Es ist allerdings nicht ganz richtig zu sagen, jeder einzelne Einzeller wäre potentiell unsterblich und ausnahmslos alle Vielzeller unterlägen dem Todesmuß. Richtig ist vielmehr: Es gibt Tochterzellen von Einzellern, die sterben müssen. Richtig ist weiterhin: Es gibt einige wenige einfache Vielzeller, die unsterblich sind, während höhere Vielzeller ausnahmslos dem Todesmuß unterworfen sind. Folglich ist die Behauptung der französischen Forscher, wonach keine Lebensform gegen das Altern gefeit sei, zwar insofern richtig, als es nicht nur Vielzeller sondern auch Einzeller gibt, die nicht ewig leben können. Ihre Aussage bedeutet jedoch nicht, daß dies für alle Einzeller oder für alle Vielzeller zutrifft. 

Die Aussage August Weismanns und Mathilde Ludendorffs, wonach mit der Entstehung der ersten echten Vielzeller, d.h. der Trennung von Keimbahn und Soma, das Todesmuß verbunden war, ist nach gegenwärtigem Wissensstand im Grundsatz nach wie vor gültig, wenn auch nicht in der Ausschließlichkeit, wie es mitunter formuliert wird.

Weiterhin ist festzustellen: Die Existenz eines natürlichen Todes, d.h. eines zwangsläufig eintretenden und nicht wegen Verschleiß oder Abnützung erfolgenden Todes, ist heute nicht mehr, wie noch zu Zeiten Mathilde Ludendorffs, umstritten. Die Aussage der Philosophin hat auch hier Bestand. Der Tod gehört zum normalen genetischen Entwicklungsprogamm.

Die Zoologen Gehring und Wehner fassen in ihrem Lehrbuch diese Feststellungen mit folgenden Worten zusammen (13): „Mit der Trennung von Keimbahn und Soma wurde beim Übergang vom Einzeller zum Vielzeller der natürliche Tod des Individuums als biologisches Phänomen begründet. Das Soma bleibt als Leiche zurück, und nur die Zellen der Keimbahn leben in der nächsten Generation weiter. Allein bei einfachen Metazoen … gibt es noch totipotent gebliebene somatische Stammzellen … die ein neues Tier regenerieren können. Höhere Metazoen haben eine begrenzte Lebensdauer, die zwar von den Umweltbedingungen abhängt, deren Rahmen aber genetisch bestimmt ist."

Dies war sozusagen das Schlußwort aus naturwissenschaftlicher Sicht. Das letzte Wort aus philosophischer Sicht gebührt Mathilde Ludendorff (aus der Schöpfungsgeschichte, 22, S. 38):

„„Doch Gottesbewußtheit bedingt Vergänglichkeit der Seele,

Da wurden, erleuchtet vom Schöpfungsziele, vergängliche Zellen im Einzelwesen."

Zum ersten Male zeigte nun ein lebendes Wesen

Gesetzmäßig eng begrenztes Weilen in der Erscheinung,

zuverlässig gewährte Vergänglichkeit seines Leibes

Und damit zuverläss’ges Vergehen der Seele für immer.

Wenn eine abgemessene Frist der Leib die Lebkraft gezeigt,

Welkt er im Tode dahin, es schwindet seine vergängliche Seele,

Lebendiger Stoff wird aus dem zuvor lebendigen Wesen!

Der Weg zur Gottwachheit ist in dieser Schöpfung weit nun geöffnet,

Es wird bewußtes göttliches Leben vereinbar mit der Erhabenheit Gottes. (…)"

 

Aus: Grampp, Karl (2010): „Die Unsterblichkeit der Einzeller: Eine überholte Annahme?". Mensch und Maß, 14/2010: 625-644.

Bildquellenangaben:

Weismann: Edwin G. Conklin, "August Weismann" Proc. of the American Philosophical Society, Vol. 54, No. 220. (Oct. - Dec., 1915), pp. iii-xii. (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:August_Weismann.jpg)

E. coli: Rocky Mountain Laboratories, NIAID, NIH Source: http://www2. (http://en.wikipedia.org/wiki/Image:EscherichiaColi_NIAID.jpg)

Pantoffeltierchen: Barfooz: http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Paramecium.jpg

 

 

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             Stand: 07.08.2015                                                                        webmaster@ludendorff.info